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Zur
Geschichte der Lesekiste
1998
wurde durch Dr. Jörg Knobloch, Konrektor und Lehrer an einer
bayerischen Grund- und Hauptschule, das Konzept der Lesekiste entwickelt. Inzwischen wird an einer zunehmenden
Zahl von Schulen, in allen Schularten, im In- und Ausland die
Erarbeitung von Lesekisten
als Methode der Leseförderung und eines offenen und handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterrichts verstanden und eingesetzt.
Im Internet finden sich Berichte, in der Fachliteratur wird sie
erwähnt, Lehrpläne führen die
Lesekiste auf, die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf/Köln hat
den Erfahrungsbericht einer Lehrerin über ihre Arbeit mit der Lesekiste
bereits 2002 mit einem Preis gewürdigt ...
Allerdings
schließt diese Erfolgsgeschichte nicht aus, dass es immer wieder auch Schulräte gibt, denen Formen
eines offenen Literaturunterrichts fremd sind und die angesichts
der Präsentation einer Lesekiste
durch eine Schülerin pikiert das fehlende Tafelbild monieren.
Die
Grundidee der Lesekiste
Die
Grundidee ist, dass ein einfacher Schuhkarton vor, während oder nach
der individuellen oder gemeinsamen Lektüre eines Buches mit konkreten Gegenständen
gefüllt wird, die im Text direkt angesprochen werden oder doch als präsent
angenommen werden können. Je nach der didaktischen Situation, in der
sich die Schülerinnen und Schüler eine inhaltlich zum Buch passende
und entsprechend gestaltete Lesekiste erarbeiten oder durch
die Lehrkraft
bzw. Mitschülerinnen und -schüler damit konfrontiert werden, dienen
die Gegenstände der Antizipation des Textes, der Motivation, der
Konkretisation, der plastischen Illustration und vor allem als Anlass zu
einem durchaus komplexen Kommunikationsprozess über den Text.
Ein
besonderer Aspekt: Die Erarbeitung einer Lesekiste kann sehr oft nicht
in der relativen und weitgehend unbeobachteten Abgeschiedenheit der häuslichen
Hausaufgabenecke durchgeführt werden. Passende Gegenstände müssen
zwischen Keller und Dachboden des Elternhauses gesucht werden. Dabei sind
Fragen von Familienmitgliedern und entsprechende Erklärungen, Begründungen,
die sich wiederum auf das Buch beziehen, unvermeidlich. Es wird also
bereits zu Hause ein, wenn auch vielleicht bescheidener, literarischer
Kommunikationsprozess inszeniert. Die Arbeit an und mit der Lesekiste
wird zu einer Form der Rezeption. Das Buch bekommt zudem einen Bezug zur
Welt des Schülers, wird von der Ebene der Fiktion - und sei das Buch
noch so fantastisch - auf die Ebene der Realität geholt.
Vorbilder
und Anregungen
Die
Lesekiste ist in der hier vorgestellten Form bisher nicht beschrieben
worden. Vorbilder für die Lesekiste sind aber im Bereich des freien und
kreativen Schreibens zu finden. Eine konzeptionelle Nähe besteht auch
zum "Museum im Schuhkarton" sowie zum Lexikonprojekt des österreichischen
Künstlers André Heller.
Zur
Realisierung von Lesekisten
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Szenario
1: Die gemeinsame
Lektüre eines Buches wird angekündigt, Autor und Titel werden
vorgestellt. Die Lehrerin stellt einen Schuhkarton in den Kreis. Er darf
geöffnet werden. Die Schüler entdecken verschiedene Gegenstände, zu
denen die Lehrerin erklärt, dass sie für den Verlauf der Handlung bzw.
für die Protagonisten von Bedeutung sind. Anhand erster Informationen,
die eventuell durch Angaben des Klappentextes ergänzt werden, und der
vorliegenden Gegenstände versuchen die Schülerinnen und Schüler
gemeinsam, in Gruppen oder in Einzelarbeit, die Handlung des Buches zu
antizipieren bzw. das Exposé eines eigenen Buches zu entwerfen.
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Szenario
2: Die ersten
Kapitel einer gemeinsamen Klassenlektüre werden gelesen oder
vorgelesen. Die zentrale Thematik, die Zeit und der Ort der Handlung können
erkannt werden, der Verlauf der Handlung ist noch offen. Ein Schüler
besorgt einen Schuhkarton. Gemeinsam wird anhand der ersten Kapitel überlegt,
welche dort direkt oder indirekt vorkommenden Gegenstände von der
fiktiven Ebene des Buches auf die reale Ebene des Klassenzimmers bzw. in
den Schuhkarton transportiert werden könnten: ein Kieselstein, der im
Buch an ein Fenster geworfen wird, das Gras über das sich die kleinen
Helden ganz leise dem Haus nähern, die Nudel aus der Suppe, die auf
Seite 34 gegessen wird. Am nächsten
Tag bringen die Schülerinnen und Schüler die vereinbarten Gegenstände
in die Schule mit. Man sitzt im Kreis. In der Mitte, eventuell auf einer
zum Thema des Buches passenden Unterlage, steht der geöffnete, noch
leere Schuhkarton. Die Kinder stellen vor, was sie mitgebracht haben,
erläutern den Zusammenhang mit dem Buch, eventuell gibt es Nachfragen,
Kritik usw. Die weiteren Kapitel werden nun gemeinsam, in der Gruppe
oder individuell, in der Schule oder zu Hause gelesen. Es folgt eine
Arbeitsphase, in der die mitgebrachten Gegenstände erläutert und der
Zusammenhang zum Buch erklärt wird. Abschließend wird die Kiste
beschriftet, passend beklebt oder bemalt und bleibt als Leseaufforderung
im Klassenzimmer.
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Szenario
3: Individuelle
Erarbeitung und Vorstellung einer Lesekiste
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Szenario
4: Lesekiste und
Bibliothek
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Szenario
5: Buch-Besuch
mit Lesekiste
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Szenario
6: Lesekistenausstellung
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Szenario
7: Sammelkiste
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Szenario
8: Lesekiste auf Gegenseitigkeit
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Szenario
9: Lesekiste im Lehrerkollegium oder im Team der Bibliothek
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Szenario
10: Autorenkisten
Quelle: Gekürzt
und überarbeitet nach
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